Positivbauweise GFK/CFKMaterialeinsatz Diese Flächenlagen werden alle diagonal orientiert. Warum? Nun, der G-Modul, also die Torsionssteifigkeit hängt davon ab, in welchem Winkel das Gewebe orientiert ist, wie man im Bild deutlich erkennt! Die Torsionssteifigkeit wird maximal, wenn man das Gewebe mit +/-45° orientiert. Bei Glasfaser (grün) sieht man deutlich die Verdreifachung der Steifigkeit. Bei der ebenfalls üblichen HT-Kohlefaser ist es fast eine Verzehnfachung!!! Das heißt: Ein Flügel mit +/-45° orientierter 160g/m² Kohlefaser als Decklage ist ohne weiteren Aufwand sicher 2-5mal steifer auf Torsion als dasselbe Gewebe in +/-90° Lage! Die Abminderung gegenüber dem Werkstoffkennwert begründet sich darin, daß noch andere die Torsionsstefigkeit beeinflussende Dinge im Flügel enthalten sind, wodurch sich das nicht ganz so extrem ausprägt. Problem ist dabei: unter 45° geschnittenes Gewebe verzieht sich tierisch leicht. 20mm Krepptape/Tesatape vor dem Schneiden auf die geplante Schnittkante kleben. Damit ist das Gewebestück vollständig von Tape umsäumt und verzieht sich nur noch wenig beim Arbeiten!!! Alles klar?! So geht das!!! Im Alleingang verarbeite ich so Diagonalzuschnitte bis 1,4m Länge ohne größere Probleme, egal ob 25er Glas oder 160er Kohle. Die Servos baue ich vor dem Beplanken ein, die Flügel sind also mit allen Anschlüssen usw. komplett fertig. Koordinaten aufschreiben! Wenn der Flügel fertig ist: Löcher für Hebelarme ausschneiden, Strom anschalten... Davor PVA (Trennlack) abwaschen, sonst muß man die Servolöcher abtapen, aber das ist recht egal. PVA ist ein wundervoller Schutz in der Bauphase, deshalb lasse ich es meistens sehr lange drauf. Nur farblosen PVA nehmen, nicht das rote Zeug, das färbt ab, speziell bei weiß ein sehr häßlicher Effekt. Für einen normalen, aber doch leichten Segler, kann
man dann auch komplett auf 160er Kohle und 25er oder 40er Glas +/-45°
vertrauen. Das gibt einen ultrasteifen Flügel. Für ein Modell mit Hang-/Alpentauglichkeit würde ich immer einen klassischen Furnierflügel mit CFK Holm und Kohle-/Glasverstärkungen bauen. Die haben absolut die besten Nehmerqualitäten.
Baubeschreibung OberflächeAls "Form" für die Herstellung der GFK/CFK Positivflügel Oberflächen verwende ich das 0,8er PVC Rollglas aus dem Baumarkt. Das ist diese etwas steife, glasartig durchsichtige Folie. Das wird mit Wachs und PVA als Trennmittel behandelt. Eben hat mich noch ein heißer Tipp von Hans-Jürgen Unverferth erreicht, was Plattenmaterial angeht: Schaut Euch mal bei Friebe Luftfahrtbedarf nach 0,5mm Astralon Platten um. Das ist ein supergutes Material, leider auch zum entsprechenden Preis, aber in Relation zur Qualität sicherlich angemessen. Das Material ergibt zusammen mit Wachs und PVA das wohl insgesamt beste Endergebnis, denn das 0,8er ist etwas zu störrisch und oftmals in der Oberflächenqualität nicht ganz optimal. Beim R&G
System sieht der Trennmittelauftrag so aus: Standardwachs mit Klopapier/Küchenrolle
dünn auftragen, gleich aufpolieren. Wenn man das trocknen läßt
und dann aufpoliert, bekommt man eine elektrostatische Ausladung, die
sich gewaschen hat. Es geht nur darum, einen hauchdünnen Wachsfilm
zu haben. Das ganze eine halbe Stunde ablüften lassen. Mit einem
Schwamm kann man dann den PVA hauchdünn aufziehen. Die Folie am besten
an eine Tür hängen, so hat man garantiert den optimal dünnen
Auftrag. Das sollte dann 1-2h trocken, ein guter Grund mal wieder seine
Lieblingsserie im Fernsehen anzuschauen. Besser keinen Kunstharzlack verwenden, trocknet zu lang und nervt nur, da er relativ weich ist. Polyreuthanlack (Simprop) nehmen einige, ich persönlich mag den nicht so. Ich nehme den billigen Acryllack (z.B.: Rally Spray, DM 6,95 400ml), der reicht völlig. 2K ist schwerer und macht mehr Arbeit (Spritzpistole oder Rollen), daher nehme ich den nur in Negativformen und auch nur manchmal, 2K ist ebenso wie Gelcoat erheblich schwerer, als diese 1K-Lacke aus der Dose. Bei 0,25er PVC Rollglas zeichnet sich das Baumarktstyro zusammen mit den kleinen Unebenheiten dieses Lebens gerne ab, sieht nicht so gut aus wie 0,8er, aber dafür liegt die Sache aber auch bei schwachem Vakuum überall gut an. Trotzdem würde ich als Untergrenze für schöne Oberflächen 0,5er PVC bezeichnen. Mit PE habe ich nur an Testsamples Erfahrungen gesammelt und dabei vor allem die, daß mir die Oberfläche nicht gefällt. Für HLGs mit Styrofoam oder ähnlich glatten Schäumen (ohne Poren) ist PE sicher eine der am besten geeigneten Folien, lediglich der Nachteil der Welligkeit bleibt bestehen. Die PE-Folie kann man ohne Trennmittel (!!) lackieren oder direkt laminieren, weswegen sie auch von den Malern gerne als Unterlage verwendet wird. Insofern hat die PE-Folie schon was für sich, keine Frage. Vielleicht probiert mal jemand PVC-Folie mit Teflonspray oder sowas aus, wegen des Arbeitsaufwandes mit Wachs und PVA ist PVC nicht mein Lieblingsmaterial. Den PVA braucht man natürlich nicht, ein gutes Wachs
genügt an sich, aber dann würdest Du lieber Leser, diesen Artikel
nicht lesen, weil Du schon Bescheid wüßtest. In dem Fall würdest
Du den Wachsauftrag bereits so gut beherrschen, daß ich Dir das
empfehlen könnte. Deswegen nimmst Du erstmal PVC mit PVA oder eben
PE-Folie... Für experimentierfreudige Zeitgenossen möchte ich noch auf das Schaumtreibmittel EPS von EMC-Vega hinweisen, was für eine besonders innige Verbindung zwischen Oberfläche und Schaum sorgt. Bei Holz-Sandwich kann ich es nur empehlen, da habe ich es bereits getestet, der reine Positivtest steht bei mir noch aus. Ich werde an dieser Stelle berichten, wenn ich den Flügel entformt habe.
Vakuumtechnik
Irgendwann ist alles fertig laminiert und muß in den Vakuumsack. Das Bild seht ihr rechts. Die zentrale Absaugung mit den Luftleitern (Teppichstreifen) ist gut zu erkennen. Den PE-Schlauch (Vakuumsack) sollte man am besten mit Vakuumdichtband verschließen. (Bezugsq.) Ja, die Erkenntnis hat bei mir etwas gebraucht, aber das Zeug ist das Geld wirklich wert! Rechts seht ihr, ist der Sack noch mit Tesatape geschlossen, auf der anderen (nicht sichtbaren) Seite mit Silikon. Das ist siffig, nervt und im Zweifelsfall versagt das Vakuum. Weiter geht's: Die Negativschalen tue ich immer mit in den Sack, das gibt die genauste Verwindung/Profilierung. Es gibt einige Leite, die saugen nur den Flügel selbst ab, das kann man auch tun. Aber da schleichen sich leicht Verzüge ein! Gut, daß diese Leute keine Nurflügel bauen... Im Bild diese schwarzen Blöcke sind die massiven Motorkopfformen zum Beschweren, manchmal liegt das Paket nicht so ganz sauber auf. Die Platte ist perfekt gerade, das ist natürlich Voraussetzung. Der Nachteil meiner Methode sei auch nicht verschwiegen: es schleichen sich leichter Delaminationen ein! Das betrifft vor allem den Nasenbereich. Aber dafür gibt es beim fertigen Flügel etwas weniger Wellen, weil der Druck durch die Negativhälften gleichmäßiger verteilt wird. Wie immer im Leben gleichen sich Vorteile und Nachteile irgendwie aus... Ich meine für mich, daß die Vorteile meiner Variante (Wellen, Verzugsfreiheit) klar überwiegen, aber das wird der nächste Modellbauer sicher andersherum auslegen. So, vielleicht noch das wichtigste zuletzt: Wieviel Vakuum denn nun? Das hängt vom Schaum ab, als grobe Anhaltswerte zu verstehen. Der letzte Wert ist als absoluter Minimalwert anzusehen! Der Schaum wird gerade so eben nicht verquetscht! Das ist nicht gut, weil dann die mechanischen Eigenschaften des Schaums hinüber sind, die Poren/Zellstruktur ist dann nicht mehr intakt! Der Flügel ist an dieser Stelle dann weich.
Ach ja, wer meint, er müsse das Geld für ein Vakuummeter sparen - falsch gedacht, das rächt sich irgendwann. Natürlich erst beim nächsten 4 oder 5m Segler, dafür dann nachhaltig. Mechanisch Pressen geht wirklich nur bei kleinen Flächen mit Holzbeplankung vernünftig, hier bei der GFK-Bauweise hat das nichts mehr zu suchen!
Methode Nase danach...
Nein, mit Harz dauert mir das zu lange, solche blöden Fehler zu reparieren. Deswegen Sekundenkleber: Flasche fast horizontal, nur leicht auf den Kopf geneigt halten, daß gerade nichts rausläuft. Dann an der Endleiste langziehen, fertig. Supersaubere Lösung. Nach 5 Minuten (kann schlecht ablüften) ist alles klar. Falls der Spalt zu breit oder Schaum zu sehen ist und man deswegen Epoxi braucht, solltet ihr nochmal Flügel bauen üben... Und wehe es mailt mich jemand an, wo man Wachs, PVA, Kohlefaser, Epoxi,
Vakuumdichtband und all das Zeug bekommen kann, dafür gibt es eine
Materialbezugsliste!!!
© Hartmut Siegmann 1999-2001
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